Im Sommer 2016 wurden wir beauftragt zwei Figuren des Heckentheaters im Großen Garten des Schlosses Herrenhausen zu scannen. Von diesen sollten in einem Internationalen Projekt originalgroße Duplikate angefertigt werden. Als Grundlage dafür wurde je ein hochauflösender Scan der Originale benötigt.

Das Heckentheater und seine Skulpturen

Die zu scannenden Figuren sind Teil des ältesten und einzigen bis heute erhaltenen Heckentheaters Deutschlands,  im Großen Garten des Schlosses Herrenhausen in Hannover. Von den ursprünglich 27 vergoldeten Statuen die um 1690 von Kurfürst Ernst August in Auftrag gegeben wurden sind Heute nur noch 17 erhalten. Die Figuren selbst sind Nachbildungen berühmter Vorbilder aus der Antike und wurden aus Abdrücken der Originale in speziellen Manufakturen in Serie produziert. Die Abdrücke selbst wurden von Johan Larson um 1650 in Italien gesammelt und um 1660 in Holland in Dauerformen umgesetzt. Mit diesen war es möglich während des 17. und 18. Jahrhundert Bleiplastiken „nach der Antike“ wie aus einem Katalog für den eigenen Gartenschmuck zu bestellen.

 

 

Die Dauerformen waren bis etwa 1750 in Gebrauch und dienten zur Herstellung unzähliger Kopien die in ganz Europa aufgestellt wurden. Aufgrund der häufigen Verwendung der Formen mussten diese immer wieder repariert werden. Dadurch sind diese historischen Abgüße  in einigen Details abweichend von den Originalen. Der größte Teil dieser, meist vergoldeten, Bleifiguren ging in den letzten 300 Jahren verloren. Blei ist zwar günstiger als Bronze aber auch weitaus empfindlicher, wodurch die Lebenszeit der Figuren sehr verkürzt wurden.

Das Heckentheather des Großen Gartens ist in der glücklichen Position noch 17 dieser empfindlichen Originale zu besitzen, auch wenn die Originale 1974 aufgrund starker Beschädigungen, gegen Bronzekopien ausgetauscht wurden. Diese Kopien wurden 2009 neu komplett restauriert und erstrahlen in neuem Glanz.

Scannen der Figuren trotz goldenem Glanzes

 

 

Die größte Schwierigkeit bestand in der restaurierten Oberfläche der Statuen. Mit ihrer frischen Goldauflage reflektieren diese so stark das ein fotogrammetrischer Scan ausgeschlossen werden musste. Auch mit dem Artec Scanner hatten wir Anfangs Schwierigkeiten die Oberfläche sauber aufzuzeichnen.

 

 

Um ungewollte Beschädigungen der Vergoldung zu vermeiden konnten die Figuren nicht in großem Maße mit Scansprays behandelt werden oder mittels anderer Chemikalien der Glanz gedämpft werden.

 

 

Es blieb also nur die Statuen in Dunkelheit bzw. Dämmerung zu digitalisieren. Die besten Ergebnisse konnten wir bei bedecktem Himmel kurz vor Sonnenaufgang erreichen. So führten wir die Scans zwischen 3 und 5 Uhr morgens durch um möglichst kein Störendes Streulicht zu erhalten. Der eigentliche Scan dauerte pro Figur etwa 10 min und verlief problemlos.

Nachbearbeitung und Anwendungsmöglichkeiten

 

 

Aufgrund der guten Scanqualität mussten nur sehr wenige kleine Bereiche händisch nachbearbeitet werden.  Die aufgearbeiteten Daten sollten als Basis für einen Ausdruck in Originalgröße dienen und in Chengde (China) ausgestellt werden. Für den Ausdruck selbst wurden die Daten in Ihrer Originalauflösung von etwa 5 mio Polygonen pro Modell exportiert. Die Sketchfab Modelle (Oben) sind auf 500.000 Polygone reduziert.

 

 

 

 

Natürlich sind auch kleinere Nachdrucke möglich wie dieser Ausdruck in Kupferverbundfilament. Leider wurden seit dem Ausdruck einige Stellen am gedruckten Objekt durch Abnutzung während Ausstellungen und Vorträgen stark in Mitleidenschaft gezogen.

 

Die Originale sind im Großen Garten des Schlosses Herrenhausen ausgestellt und lohnen bei schönem Wetter einen Besuch.

 

Haben auch sie Interresse an hochauflösenden Scans melden sie sich bei uns! Wir beraten sie Gern!

info@formwerk3d.de

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